Nachruf auf Dr. Martina Helmig (1961–2019)

”Dr. Martina Helmig ist im Alter von 58 Jahren gestorben. Die Musikwissenschaftlerin und -jounalistin Martina Helmig gehörte zu den Pionierinnen, die sich dafür eingesetzt haben, dass Komponistinnen Eingang in die Musikgeschichtsschreibung finden und ihre Werke in Konzerten erklingen.

Sie studierte an der Freien Universität Berlin und an der New York University und engagierte sich bereits ab 1980 für Komponistinnen und ihre Werke in der Projektgruppe des Musikfrauen e. V. Berlin. Diese hat zunächst in erster Linie zeitgenössische Komponistinnen in den Fokus ihrer Arbeit gestellt. So war Martina Helmig am Ersten internationalen Komponistinnentreffen 1982 in Berlin beteiligt. Weitere Projekte folgten: 1983 Komponierende Frauen im Dritten Reich, 1984 Neue Musik aus Lateinamerika und 1985 Komponistinnen des 19. und 20. Jahrhunderts. Anlässlich der 750 Jahrfeier Berlins 1987 war sie Mitveranstalterin von Symposien, Kammer- und Orchesterkonzerten im Rahmen des Projekts Komponistinnen in Berlin. Auch war sie Mitherausgeberin des gleichnamigen Buches, das die Musikgeschichte Berlins über einen Zeitraum von 250 Jahren ergänzt hat und bis heute eine wertvolle Informationsquelle darstellt. Martina Helmig hat sich innerhalb der Reihe Klangportraits 1991/92, die sieben Komponistinnen der internationalen Avantgarde in Konzerten, Gesprächen, Ausstellungen und Büchern portraitierte, insbesondere der Klangkünstlerin Christina Kubisch gewidmet.

Bereits während des Projekts Komponierende Frauen im Dritten Reich, lernte sie Ruth Schönthal kennen, die vor den Nationalsozialisten über Schweden und Mexiko in die USA fliehen musste, und 1983 bei den Veranstaltungen in Berlin mitwirkte. Nach intensiver Auseinandersetzung mit Leben und Werk promovierte Martina Helmig 1993 über die deutsch-amerikanische Komponistin. Später hat sie ihre Dissertation als Buch mit dem Titel Ruth Schönthal. Ein kompositorischer Werdegang im Exil zunächst in deutscher und dann auch in englischer Sprache veröffentlicht. Zu dem Internationalen Musikwissenschaftlichen Kongress Der männliche und der weibliche Beethoven in Kooperation mit der Hochschule der Künste (heute UdK) anlässlich des 150. Todestages von Fanny Hensel gab sie nicht nur das Buch Fanny Hensel – Das Werk heraus, sondern war auch Mitherausgeberin des Bandes Maßstab Beethoven? Komponistinnen im Schatten des Geniekults.

Martina Helmig hat bis zu ihrem Tod für die Kulturredaktionen verschiedener Zeitungen und Zeitschriften geschrieben, vor allem für das Feuilleton der Berliner Morgenpost. Auch Rundfunksendungen hat sie im damaligen SFB (heute rbb Kultur) und im Deutschlandfunk Kultur gestaltet.

Martina Helmig war immer offen für Themen neben der sogenannten Hochkultur und hinter den Kulissen, wie auch ihre letzte Publikation Hinter dem Rampenlicht: Bühnenberufe in Porträts zeigt. Immer freundlich, konzentriert, beharrlich, zuverlässig und kompetent war sie als Musikwissenschaftlerin und als Mensch bei all den Projekten unentbehrlich.

Viel zu früh wurde sie aus dem Leben gerissen. Sie hat das Leben geliebt und genossen bevor für sie der Vorhang für immer fiel. Wir denken mit Trauer und Dankbarkeit an Martina Helmig. Sie hinterlässt eine Lücke, die sich nicht wieder vollständig schließen lässt.”

Bettina Brand (via Facebook)