Geburtstagsgruß Josephine Lang (1815–1880)

Josephine Lang © GNU Free Documentation License (WikiMedia.Commons)

von Maria Hofmann

„Die hat nun die Gabe Lieder zu componieren [sic!], und sie zu singen, wie ich nie etwas gehört habe; es ist die vollkommenste musikalische Freude, die mir bis jetzt wohl zu Theil [sic!] geworden ist.“[1]

Wenn selbst Felix Mendelssohn Bartholdy in solch überschwänglichen Worten von einer Komponistin spricht, lohnt es sich, einen genaueren Blick in die Liederbücher Josephine Langs zu werfen. Besonders angetan schien Mendelssohn unter anderem von dem Stück Frühzeitiger Frühling. In dieser Vertonung für Singstimme und Klavier setzt Josephine Lang das gleichnamige Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe in Musik.

Mit raschen Triolen in einer heiteren und zugleich ungewöhnlichen Tonart H-Dur entfaltet sich eine Klangwelt voller Erwartung und Aufbruchstimmung. Es entsteht eine Sehnsucht nach saftig grünem Gras und den ersten warmen Sonnenstrahlen auf der Haut. Die Sprünge der Gesangsstimme erinnern an unbeschwerte Tänze zwischen den ersten Krokussen und lassen den Frühling beinahe sichtbar werden. Der Frühzeitige Frühling ist nur eines von über 50 Liedern Josephine Langs, die im Archiv Frau und Musik zu finden sind. Darüber hinaus liegen hier Programmhefte, Noten und weitere Literatur.

Am 14. März 1815 wird Josephine Lang in München in eine Familie aus Musiker*innen hineingeboren. Bereits im Alter von fünf Jahren beginnt sie, eigene Lieder zu komponieren. Ihre Mutter Regina Hitzelberger, selbst eine namhafte Opernsängerin, unterrichtet die Tochter in Klavier und Gesang. Nach dem frühen Tod ihrer Mutter muss Josephine selbst unterrichten, um die Familie finanziell zu unterstützen.

Im Sommer 1830 spielt Josephine für ein paar Gästen im Haus ihres Vaters eine kleine Auswahl ihrer Stücke – unter ihnen der 21-jährige Felix Mendelssohn. Er erkennt ihr Talent und lädt sie zu einer weiterführenden musikalischen Ausbildung nach Berlin ein. Ihr Vater verbietet allerdings die Reise nach Berlin und Josephine kommt der Einladung nicht nach. Dennoch entwickelt sich zwischen ihr und Mendelssohn eine lebenslange Freundschaft, geprägt von gegenseitiger Wertschätzung und künstlerischem Austausch.

Die Zurückhaltung ihres Vaters betrifft nicht nur ein Studium in Berlin: Da musikalische Bildung für Frauen im 19. Jahrhundert meist auf Hausmusik beschränkt bleibt, sieht Theobald Lang seine Tochter lieber im häuslichen Umfeld der Familie und verwehrt ihr somit den Schritt aus dem Rahmen der Hausmusik heraus in eine öffentliche musikalische Laufbahn.

Nach ihrer Hochzeit geht die Zahl der Kompositionen zurück, obwohl Mendelssohn ihren Ehemann ermahnt, Josephine genug Raum für ihr künstlerisches Schaffen zu lassen. Sie selbst beschreibt in Briefen, wie schwierig die Balance sei, den erwarteten Aufgaben als Mutter und Ehefrau gerecht zu werden und gleichzeitig ihrer Musik nachgehen zu können.

Nach dem Tod ihres Mannes und zweier ihrer Söhne findet sie in der Musik Trost. Sie komponiert und veröffentlicht, nicht zuletzt aus finanzieller Not, neue Werke, sowie bislang noch nicht verlegte Lieder aus den 1830er Jahren. In dieser Zeit wendet sie sich brieflich an Clara Schumann und bittet um ihre Unterstützung bei der Veröffentlichung ihrer Werke. Auch wenn sich die beiden Musikerinnen nie persönlich begegnen, zeugt der Kontakt von einem Netzwerk künstlerischer Solidarität unter Komponistinnen des 19. Jahrhunderts.[2][3]

Einzelnachweise
[1] Felix Mendelssohn Bartholdy: Briefe 1830-1847, Leipzig 1875, S. 213, „Münchener Bürgerbrief“.
[2] Gabler Barbara: (Hrsg.): Josephine Lang. Ausgewählte Lieder auf Texten von Heine, Goethe, Lenau u.a. für Singstimme und Klavier, Kassel 2009, S.64-68.
[3] Harald und Sharon Krebs: Josephine Lang. Her Life and Songs. New York 2007.

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