Equal The Score

Musik und Gender im Unterricht – Netzwerk für intersektionale musikalische Bildung

Unser Netzwerk ist aus der gemeinsamen Überzeugung entstanden, dass Bildung vollständiger, gerechter und lebendiger wird, wenn die Leistungen von Komponistinnen selbstverständlich dazugehören – sowohl in der Schule, als auch an der Hochschule sowie im Konzert und im kollektiven kulturellen Gedächtnis.

In unserem Netzwerk arbeiten Musikwissenschaftler*innen und Musikpädagog*innen, Lehrkräfte, Referendar*innen, Verlagsmitarbeitende, Archivar*innen und Menschen aus der musikalischen Praxis gemeinsam. Die Verbindung von Theorie und Praxis fordert uns immer wieder zur Reflexion auf und macht uns deshalb produktiv.

Was wir wollen

Unser Ziel ist es, Wissen über Komponistinnen, Dirigentinnen und Musikerinnen in Klassenzimmern und Seminarräumen nachhaltig zu verankern, wo Bildung alltäglich stattfindet.

In Bildungsinstitutionen werden bislang zu häufig die historisch bedingten Ausschlüsse von Komponistinnen fortgeschrieben, sodass sie in Lehrplänen, Unterrichtsmaterialien und Hochschulcurricula kaum einen Platz finden. Hier wollen wir hier ansetzen und nicht nur jungen Menschen Wissen über Komponistinnen vermitteln, sondern auch Lehrende dabei unterstützen, deren Werke kenntnisreich zu unterrichten.

Wie wir arbeiten

Bereits seit 2021 bieten wir Workshops und Fortbildungen an, halten Vorträge, entwickeln Unterrichtsmaterialien und bringen Forschungsergebnisse in Formate, die im Schul- und Hochschulalltag unmittelbar nutzbar sind. Dabei verfolgen wir fortdauernd einen intersektionalen Ansatz, der Fragen von Geschlecht, Herkunft, Klasse und weiteren Dimensionen von Zugehörigkeit zusammen denkt.

Unser Arbeiten ist geprägt von Offenheit, von ehrlicher Auseinandersetzung und von der Bereitschaft zum Unlearning und Undoing, Gelerntes zu hinterfragen, gewohnte Kanons neu zu denken und Raum für das zu schaffen, was bislang übersehen wurde. Das gilt für uns selbst genauso wie für die Institutionen, mit denen wir arbeiten.

Wer wir sind – und wer dazugehören kann

Unser Netzwerk lebt von der Vielfalt seiner Mitglieder und von der Idee, dass Veränderung gemeinsam gelingt. Wir gründeten ursprünglich im Jahr 2021 mit sechs Personen die Fokusgruppe Frau* und Musik im Unterricht, aus der schließlich das heutige Netzwerk Equal The Score hervorgegangen ist. Heute bestehen wir aus über 50 assoziierten Mitgliedern sowie einer organisatorischen Kerngruppe, die alle Fäden zusammenhält. Wir sind eine Arbeitsgruppe des Archivs Frau und Musik in Frankfurt am Main.

Alle Interessierten, die sich für eine gerechtere Musikgeschichte und eine moderne, demokratische Musikbildung einsetzen möchten, sind herzlich eingeladen, Teil unseres Netzwerkes zu sein und das jeweils eigene Können einzubringen.

Kontakt: paedagogik[at]archiv-frau-musik.de

Aktuell: Workshop am 12./13. November 2026 in Wien zur Sichtbarkeit von Komponistinnen im Unterricht – EINTRITT FREI!

Orga von Equal The Score

Elisabeth Treydte

Elisabeth Treydte ist Musikwissenschaftlerin, war langjährige Mitarbeiterin des Archivs Frau und Musik und bis Ende 2025 auch in dessen Vorstand, war langjährige Redakteurin und Lektorin des Archivsmagazins VivaVoce, initiierte und führte das Archiv-Projekt Digitales Bildungspaket: Komponistinnen in den Schulunterricht! durch, arbeitete für MUGI – Musik und Gender im Internet und derzeit an der Folkwang Universität der Künste Essen.

Sie forscht und lehrt zu Komponistinnen* in Musikgeschichte und -gegenwart und leitet das Projekt #GenderingFolkwang. Sie ist Mit-Initiatorin von #EqualTheScore im Jahr 2021, seitdem Teil des Teams und liebt Netzwerkarbeit und interdisziplinären Austausch. Ihr Herz schlägt für Gender-Vielfalt in der Lehre – egal ob in Schule oder Hochschule.

Bild © Anna Gamer

Solveig Weiß

Solveig Weiß ist Gymnasiallehrerin mit den Fächern Musik und Deutsch in Baden-Württemberg. Sie setzt sich für die Sichtbarkeit von Frauen und ihren Werken in ihrem Unterricht ein und bildet hierzu auch ihre Kolleg*innen und angehende Lehrkräfte fort. Sie ist Mitinitiatorin von #EqualTheScore im Jahr 2021 und seitdem Teil des Netzwerkes.

Außerdem ist sie stellvertretende Beiratsvorsitzende der Josephine-Lang-Gesellschaft in Tübingen und zur Zeit am Regierungspräsidium als Referentin tätig. Sie liebt die Arbeit im Netzwerk und den multiprofessionellen Austausch und findet es besonders wichtig, alle Schulformen und alle Kinder mit ihrem Vorhaben zu erreichen.

Besonders auf Instagram ist Solveig Weiß als „feministisch.unterrichten“ bekannt und aktiv.

Bild © Lisa Aichele 2025

Kim Siekmann

Kim Siekmann ist Diplom-Förderpädagogin und Förderschul- sowie Haupt- und Realschullehrkraft mit den Unterrichtsfächern Deutsch, Englisch und Musik und den Förderschwerpunkten Geistige Entwicklung und sozial-emotionale Entwicklung.

Sie studierte an der Carl-von Ossietzky-Universität, u.a. mit den Schwerpunkten Inklusion sowie internationale Hilfen der Behindertenarbeit und absolvierte ihr Referendariat in Oldenburg an einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen und im Ausbildungsseminar Osnabrück.

Seit 2000 arbeitete sie an verschiedenen Förderschulen, als Leiterin eines Beratungs- und Förderzentrums in Hessen und im Rahmen der inklusiven Beschulung an Grund- und Gesamtschulen. Seit 2008 ist Kim Siekmann zudem in der Lehrkräfteaus-, Weiter- und Fortbildung am Studienseminar für Grund-, Haupt-, Real- und Förderschulen in Marburg tätig. Sie ist dort seit 2017 stellvertretende Leiterin.

Kim Siekmann bezeichnet sich selbst als inklusive Pädagogin. Sie richtet ihr Handeln und Wirken soweit möglich an einem wissenschaftlichen, grundrechtsbasierten und ethischen Bildungsverständnis aus. Akteur*innen in inklusiv-(queer)feministische Bildungsprozessen schließen demnach alle ein, erkennen Macht- und intersektionale Marginalisierungsaspekte an und reflektieren diese (selbstkritisch) mit dem Ziel entsprechender Aushandlungs- und Veränderungsprozesse.

Das feministische Handeln rund um die Korrektur des musikhistorischen Narrativs sowie der Sicht- und Hörbarkeit aller Geschlechter im Musikunterricht ergab sich durch Kontakte des Frauen*kammerchors Marburg (Leitung Mareike Hilbrig) zum Archiv Frau und Musik in Frankfurt, in dessen Trägerverein (IAK Frau und Musik) Kim Siekmann Mitglied ist. Daraus entstand 2021 die gemeinsame Gründung der hier vorgestellten Fokusgruppe.

Bild © Gesa Birkner 2025 
Anna Bredenbach

Dr. Anna Magdalena Bredenbach ist Musikwissenschaftlerin an der Universität Erfurt. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehören Musikgeschichtsschreibung, Liedkultur des 19. Jahrhunderts sowie Musik und Gender. In Forschung und Lehre arbeitet sie regelmäßig an der Schnittstelle von Musikwissenschaft und Musikpädagogik und beschäftigt sich dabei mit Fragen des Erzählens und Vermittelns von Musikgeschichte sowie der Wissenschaftskommunikation.

In der universitären Lehrer:innenbildung setzt sie sich für gendersensible Inhalte und eine stärkere Sichtbarkeit von Komponistinnen ein. Ein Beispiel dafür ist das gemeinsam mit einer Kollegin aus der Musikpädagogik im Sommersemester 2023 entwickelte Seminar „Komponistinnen in die Schulen!“.

2023 war sie wissenschaftliche Leiterin des Tübinger Musikfests Komponistinnen, in dessen Rahmen auch ein Workshop des Netzwerks stattfand. Seit 2024 ist sie stellvertretende Sprecherin der Fachgruppe Frauen- und Genderstudien der Gesellschaft für Musikforschung. Ihr aktuelles Habilitationsprojekt widmet sich der Komponistin Josephine Lang (1815–1880) und den Räumen ihrer musikkulturellen Praxis.

Bild © 

Daniel Ernst

Daniel Ernst unterrichtet Musik und Informatik an einem Berliner Gymnasium, entwickelt gerne Unterrichtsmaterialien, ist in der Fachberatung für das dezentrale Abitur in Musik tätig und gibt Fortbildungen für Lehrkräfte.

Mit Komponistinnen beschäftigt er sich, weil ihre Musik für ihn immer wieder echte Entdeckungen bereithält – das interessiert ihn als Musikwissenschaftler wie als Musiktheoretiker gleichermaßen.

Zugleich führen ihre Biografien und Werke oft zu Fragen, die über die Musik hinausgehen – zu Bildung, gesellschaftlichen Rollen oder dazu, wie musikalische Kanons entstehen. Ihre Werke gehören zur Musikgeschichte und sie sind deshalb selbstverständlicher Bestandteil seines Unterrichts.

Bild © privat

Rosanna Lovell

Rosanna Lovell ist eine in Berlin lebende Musikerin, Pädagogin, Radiomacherin und Klangkünstlerin. Ihre Arbeit konzentriert sich auf feministische und postkoloniale Perspektiven in der klassischen und neuen Musik, die sie durch Performance, Intervention, Klang und Recherche erforscht, sowie auf kritische und selbstreflexive Praktiken in den Künsten und Vermittlung.

Sie macht Sendungen bei Colaboradio/Freie Radios Berlin-Brandenburg, wo sie sich mit Themen wie Musik, Gender und Zugänglichkeit in und durch Radio beschäftigt. Sie ist ebenfalls aktiv in den Gruppen Gender Relations in New Music (GRiNM) sowie gather (ehem. Fem*_Music*_) an der UdK, die sich beide mit Fragen über Gender und Diversität in Musik auseinandersetzen. Sie studierte klassische Musik und Sprachen an der University of Adelaide (Australien).

2018 absolvierte sie den postgradualen Masterstudiengang am Institut für Kunst im Kontext an der UdK Berlin. Ein Studium der Elementaren Musik- und Bewegungspädagogik am Orff-Institut, Universität Mozarteum Salzburg schloss sie 2022 ab.

Außerdem ist sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Musik und Musikwissenschaft der Stiftung Universität Hildesheim mit dem Schwerpunkt außerschulische Musikvermittlung tätig.

Bild ©

Monika Rak

Monika Rak ist Universitätsassistentin an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien und lehrt und forscht am Institut für musikpädagogische Forschung und Praxis.

Zuvor unterrichtete sie als Musik- u. Religionspädagogin in allgemein- u. berufsbildenden Schulen in Wien und Niederösterreich. Ihr Forschungsinteresse gilt dem Thema der Hör- und Sichtbarkeit von Komponistinnen und ihren Werken in Materialien des schulischen Musikunterricht.

In ihrem Dissertationsvorhaben ist sie diesbezüglich Bedingungsfaktoren für Geschlechterungleichheit und deren Veränderbarkeit auf der Spur.

Bild © MarieBleyerFotografie

Tina Vogel

Musikschaffende Frauen – etwa Komponistinnen, Dirigentinnen, Musikerinnen oder Kulturmanagerinnen – in der Musikgeschichte sollen sichtbarer werden. Noch immer ist die etablierte Darstellung der Musikgeschichte weitgehend von Männernamen geprägt, und auch der musikalische Kanon ist nach wie vor stark männlich dominiert. Dadurch geraten die Werke, Lebenswege und Leistungen zahlreicher Komponistinnen in den Hintergrund.

Als Redakteurin, Autorin und Gymnasiallehrerin möchte ich meine fachliche Expertise und meine unterschiedlichen Perspektiven einbringen, um diese etablierte Sichtweise zu erweitern und vielfältiger zu gestalten. Mir ist es wichtig, Komponistinnen und ihre Musik stärker ins Bewusstsein zu rücken und dazu beizutragen, dass Musikgeschichte nicht nur aus einer überwiegend männlichen Perspektive erzählt wird.

Dabei geht es mir nicht darum, das Bestehende grundsätzlich infrage zu stellen, sondern den Blick zu öffnen: für vergessene oder bislang wenig beachtete Komponistinnen, für ihre Werke und für die Vielfalt musikalischer Schaffensgeschichte. Gerade in der Vermittlung an junge Menschen sehe ich darin eine wichtige Aufgabe und zugleich die Chance, ein umfassenderes und vielfältigeres Bild von Musikgeschichte zu vermitteln.

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