Klavierwerke aus dem Archiv #8 – Vorgestellt von Uta Walther

Prometheus meets Purcell von unserem Vorstands- und Gründungsmitglied des IAK Frau und Musik Vivienne Olive

vorgestellt von Uta Walther

Die Noten des 2004 entstandenen mittelschweren und ca. zweieinhalb Minuten dauernden Stückes wurden in 25 Plus Piano Solo, der Jubiläumsausgabe 25 Jahre Frau und Musik veröffentlicht. Herausgegeben vom Internationalen Arbeitskreis Frau und Musik e. V., erschienen sie beim Furore-Verlag Kassel (fue 4660).

Eine Einspielung ist enthalten auf der 2013 entstandenen CD Australian Landscapes, English Gardens …, Piano Music by Vivienne Olive; Uta Walther, Piano (Label Xolo Music, Nr. 1032, in Cooperation with BR KLASSIK). Ein ausführliches, sehr informatives Booklet der Komponistin liegt diesem Tonträger bei. Die CD wurde automatisch auf YouTube eingestellt, Prometheus meets Purcell findet man dort so:


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Beide genannten Medien befinden sich im Bestand des Archivs Frau und Musik. Da das Klavierstück in den letzten Jahren schon mehrfach besprochen wurde, setzt sich meine heutige Vorstellung größtenteils aus Zitaten zusammen:

„Henry Purcells Lamento-Basslinie aus seiner Oper The Fairy Queen und Alexander Skrjabins Prometheus-Akkord inspirierten Olive 2004 zu der faszinierenden Miniatur Prometheus meets Purcell. Farbige Akkordfolgen in der Melodie sowie –brechungen in der Begleitung bringen mit dynamisch feiner Abstufung eine Konzentration der Expressivität in jedem kleinen Motivpartikel. Diese lassen sich beim Spielen wunderbar in großen Phrasen zusammenfassen. Es entsteht ein Klagegesang intensivsten Ausdrucks, …“[1]

Lento e mesto lautet die Spielanweisung am Anfang des Stückes, welches im 9/8-Takt notiert ist. Es beginnt im mezzopiano, wird mit ständigem, kurzem dynamischen An- und Abschwellen durch verschiedenste Lautstärken inkl. einem ff-Aufbäumen geführt und mit ins al niente mündenden, langsam repetierten a es g – cis fis h – Akkorden im Diskant verlöschend-schwebend zu Ende gebracht.

Vivienne Olive bezeichnet ihr Werk als „ … eine Art musikalische Zeitschleife …“ und berichtet weiter: „In derselben Woche, in der das Stück fertig wurde, starb eine Freundin, die die Musik in all ihren Erscheinungsformen geliebt und unterstützt hatte. Daher die Widmung an Carina Jurck von der Sandt.“[2]

Im auch im Archiv Frau und Musik vorhandenen Jahrbuch Musik und Gender Vol. 5/2013 schreibt Susanne Kogler den Artikel Prometheus und die Musen, in welchem sie auch Vivienne Olives Prometheus meets Purcell bespricht:

„ … Die Begegnung der beiden Komponisten – Prometheus steht für Skrjabin – findet in einem kompositionstechnischen Sinn statt, wobei der nicht lineare Zugang zur Musikgeschichte diese nicht als Folge von Meisterwerken, sondern als Reservoire von Anknüpfungsmöglichkeiten erscheinen lässt. … Olives Hauptinteresse gilt dem Klang. … Neuheit entsteht jedoch nicht in erster Linie aus der Anwendung modernster Technik, sondern dadurch, daß V.O. die technischen Errungenschaften ihrer Vorbilder klanglich auslotet und weiterführt. …“[3]

Pianst:innen, Student:innen und Schüler:innen, die an Klavierstücken mit mystisch anmutenden Klängen, elegischem Charakter und tonlich-klanglichen Herausforderungen interessiert sind, sollten dieses magisch-intensive Werk unbedingt entdecken und interpretieren.

Ausführliche Informationen über die Komponistin und ihr gesamtes Schaffen gibt es außerdem in Band 67 Vivienne Olive der Buchreihe Komponisten in Bayern, herausgegeben im Auftrag des Tonkünstlerverbandes Bayern e. V., erschienen 2020 beim Allitera Verlag. Es ist ebenfalls im Bestand des Archivs Frau und Musik.

Wer weitere, sehr unterschiedliche Klavier- und Kammermusik sowie Lieder von Vivienne Olive hören und die Komponistin persönlich treffen möchte, dem sei das Konzert mit ihren Werken am 28. Mai 2026 um 19:30 Uhr in der Aula der hoffmanns höfe in Frankfurt/Main mit Kathrin von Kieseritzky (Saxofon), Jeff Martin (Tenor) und Uta Walther (Klavier) empfohlen.

2020 entstand spontan ein Video mit Prometheus meets Purcell:


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Einzelnachweise
[1] Uta Walther: aus “Komponisten in Bayern“, Bd. 67: Vivienne Olive, hg. i.A. des TKV Bayern, Allitera Verlag, 2020,S. 123.
[2] Vivienne Olive: Booklet zur CD “Australian Landscapes“, English Gardens … Xolo 1032, 2013.
[3] Susanne Kogler: aus Jahrbuch Musik und Gender, Vol. 5/2023, “Prometheus und die Musen“, S. 28.

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