21. Januar: Hedda Wagner
von Maria Hofmann
„Stimmt an in trauter Einigkeit
Stimmt an das Lied der Frauen
Und laßt uns unverzagt und froh
Am Werk der Zukunft bauen“.

Mit diesen Versen beginnt Hedda Wagner das Gedicht Das Lied der Frauen, das sie zum Internationalen Frauentag 1928 verfasste. Die Komponistin war auch als Schriftstellerin, Aktivistin und Journalistin tätig.
Heute vor 150 Jahren wurde Hedda Wagner in Niedernhart bei Linz geboren und verbrachte dort eine glückliche Kindheit. Ihre Eltern, zu denen sie in engem Verhältnis stand, gaben ihr auch die Freude an der Musik weiter. Die gute finanzielle Situation der Familie ermöglichte Hedda eine umfassende Bildung mit Privatunterricht, der im 19. Jahrhundert nur wenigen Mädchen zugänglich war. 1896 schloss sie ihr Studium in den Fächern Klavier, Musiktheorie und Kompositionslehre in Wien als eine der ersten Frauen ab. In einer Zeit geprägt von sozialen und politischen Umbrüchen setzte sich Hedda Wagner als Mitglied der sozialdemokratischen Frauenbewegung für den Sozialismus ein, der ihrer Überzeugung nach zu Frieden und einer gerechteren Welt führt. Ab 1912 arbeitete sie als Redakteurin der Zeitung Linzer Tagblatt.
Ihr politisches Engagement verband Hedda Wagner auch mit ihrer Kunst: Als Pazifistin verfasste sie während des ersten Weltkriegs Gedichte für den Frieden. Anlässlich der Feste der sozialdemokratischen Arbeiterpartei komponierte sie Chorwerke wie Der Tag des Proletariats (1925), in denen sie gesellschaftliche Missstände anklagte. Einen ganz anderen Charakter haben die Gedichte, die Hedda Wagner für die Frauentage schrieb: Diese sind angesichts des Zusammenhalts der Frauen optimistisch und zuversichtlich formuliert. Einige von ihnen vertonte sie auch als Lieder. In Ergänzung dazu schrieb Hedda Wagner auch sehr persönliche Lyrik, Romane und musikalische Werke im romantischen Stil. Darin verarbeitete sie den Verlust ihrer Eltern und thematisiert Melancholie, unerfüllte Liebe sowie Naturbeobachtungen.
Ab 1938 erhielt sie ein öffentliches Schreibverbot, weshalb sie sich bis 1945 künstlerisch nur privat betätigte. Nach dem zweiten Weltkrieg nahm Hedda Wagner die Arbeit in der Frauenbewegung wieder auf.
In unserem Archiv finden Sie zu Hedda Wagner 153 Medien, davon 145 Autographe in Kopie von Liedern und Kompositionen für Kammermusik sowie einige Entwürfe und Skizzen zu ihren Werken. Ihr gesamtes musikalisches Schaffen umfasst Lieder, Kirchenmusik, Chorwerke, Kammermusik, Tänze, Sonaten und drei Opern. Neben den Aufführungen in politischen Kontexten sind viele ihrer Werke noch unaufgeführt.
Das Gedicht Lied der Frauen erschien 1928 im Sammelband Im Zeichen der roten Nelke von Hedda Wagner, S. 15.
Nachweis: Christine Roiter: Hedda Wagner – Komponistin, Dichterin, Frauenrechtlerin. Innsbruck (Studienverlag) 2004, S. 64.
Zum Weiterlesen:
- Informationen zur Frauenbewegung in Österreich: https://fraueninbewegung.onb.ac.at/node/1622
- Christine Roiter: Verboten und Vergessen: Texte aus dem Refugium. Hedda Wagners Werk 1938–1945. Linz 2021.
