19. Februar
von Maria Hofmann

„Man könnte leichter einem Felsen ein Stück entreißen als mir meine Idealvorstellung: die Aufwertung der Frauen!“[1] – Elfrida Andrée
Elfrida Andrée wurde am 19. Februar 1841 in Visby (Schweden) geboren. Nach ihrem Kompositions- und Orgelstudium wirkte sie als erste Dom-Organistin des Landes. Mit Unterstützung ihres Vaters setzte sie eine Änderung des Gesetzes durch, das Frauen diesen Beruf verbot. Ein großes Anliegen war für Elfrida die Stärkung von Frauen in der Gesellschaft und Kunst: „Im Aufsteigen des weiblichen Geschlechts zu Selbst-Bewusstsein über seine Berufung und Fähigkeiten, zu Kraft und Wirksamkeit, zu Unabhängigkeit und Fortschritt liegt die Wahrheit, die ich über alles liebe und für die ich meine Zeit und mein Leben opfern will“.
Als Orgel-Dozentin an der Musikakademie in Stockholm bildete sie professionelle Organistinnen aus und komponierte für das Internationale Suffragetten-Treffen 1911 in Stockholm die Suffrage Cantate. Mit ihrer Nichte Elsa Stenhammer veranstaltete Elfrida Andrée Volkskonzerte in Göteborg, die durch günstige Eintrittspreise Kultur der breiten Bevölkerung zugänglich machten. Die Programme enthielten neben Werken von Komponistinnen und schwedischen Volksliedern auch Erklärungen zum Orchester und zu den Werken.
Elfrida Andrée strebte auch noch einen anderen Beruf an: den der Telegrafistin! Frühe Meldungen aus der Schweiz weisen nach, dass dort Frauen in Interlaken bereits ab 1855 als Telegrafistinnen angestellt und in diesem Beruf begehrt waren, weil sie so gut wie keine Fehler machten. Auch dafür ersuchten Elfrida Andrée und ihr Vater um Erlaubnis beim König und erhielten auch diese. Ob Elfrida Andrée aber tatsächlich auch als Telegrafistin gearbeitet hat, wissen wir nicht.[2]
Komposition studierte Elfrida Andrée unter anderem bei Niels Gade, der ihre Musik nach anfänglichen Vorurteilen sehr schätzte: Auf sein absurdes Lob, dass ihre Klaviersonate „nicht weibisch“ klinge, reagierte sie mit Humor: „Das kam mir so lustig vor, dass ich anfing zu lachen und ihn damit auch zum Lachen brachte! Armer Gade! Er hat es schwer damit zu vergessen, dass ich den großen Fehler habe, ein Weib zu sein“. Elfrida Andrée widmete sich auch der Komposition von Sinfonien und einer Oper, obwohl die großen Formen zu dieser Zeit noch als „männlich“ galten. Sie schrieb in ihr Tagebuch: „Dahin strebt meine innige Sehnsucht, erst wenn ich dieses beherrsche, findet meine Seele Ruhe. Das Orchester, das ist das Ziel!“. 1868 komponierte sie als erste Frau Skandinaviens ihre 1. Sinfonie in C-Dur „ohne Hemmungen und Grenzen“, wie sie in ihrem Tagebuch vermerkte. Im spätromantischen Stil entfalten sich weite Melodien zwischen Dramatik, Melancholie und Lebhaftigkeit. Bei der Uraufführung in Stockholm 1869 spielte das Orchester allerdings so schlecht, dass Elfrida Andrée sogar eine Sabotage vermutete. Bei den Aufführungen in Göteborg wurde die Sinfonie dann aber für ihre „majestätische Klangwelt“ gefeiert. 1895 erhielt sie die schwedische Medaille Litteris et Artibus, mit der ihre Beiträge für die kulturelle Landschaft Schwedens geehrt wurden.[3][4]
In unserem Archiv finden Sie zu Elfrida Andrée 61 Medien, darunter verschiedene Tonträger, ihre Biografie von Eva Öhrström und mehrere Aufsätze. Außerdem sind die Noten zu den Orgel- und Klavierwerken, zu den Streichquartetten, zum Klaviertrio und -quintett, zur Romanze für Violine und zu Liedern und Chorwerken vorhanden.
Einzelnachweise
[1] Fridemann Leipold: Zum Weltfrauentag. Diese Komponistinnen sollten Sie kennen, in: BR Klassik, Artikel vom 18. Februar 2024, zuletzt abgerufen am 19. Februar 2026.
[2] Raphaela Gromes/Susanne Wosnitzka: FORTISSIMA! Verdrängte Komponistinnen und wie sie meinen Blick auf die Welt veränderten. München (Goldmann) 2025, S. 177. Forschung von Susanne Wosnitzka.
[3] Katrin Losleben: Einblick in Leben und Werk der Elfrida Andree, in: Archiv Frau und Musik (Hg.): VivaVoce, Nr. 89. Frankfurt am Main 2011.
[4] Katrin Losleben, Artikel Elfrida Andrée, in: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, zuletzt abgerufen am 19. Februar 2026.
