Verein IAK Frau und Musik

Internationaler Arbeitskreis Frau und Musik e. V.

Wie alles anfing…

Im Herbst 1977 verfasste die Dirigentin Elke Mascha Blankenburg in der Zeitschrift emma einen Artikel über vergessene Komponistinnen (Link zum Originalartikel S. 44-46), weil es „einen weiblichen Mozart, Beethoven oder Bach“ nicht gebe, und Frauen „keine eigene Kreativität“ besäßen und „Genie eben doch eine männliche Sache“ sei. In diesem Artikel fragte sich, ob jemand auch nur eine einzige Komponistin mit Namen kenne, da in ihrem eigenen Musikstudium von keiner einzigen berichtet worden sei. Sie begab sich folglich auf die Suche in Literatur, Lexika und in Bibliotheken und „entdeckte eine Menge von Komponistinnen, deren Werke vergessen, nicht mehr aufgelegt oder nie gedruckt worden waren“ und listete dazu die Namen von Francesca Caccini, Elisabeth Jacquet de la Guerre, Fanny Hensel und Clara Schumann auf, von denen Letztere bis heute hauptsächlich als „Schwester von“ und „Frau von“ bekannt sind. Auch auf die Geschichte der Komponistinnen legte sie ihr Augenmerk, arbeitete sie doch selbst auch als Dirigentin, der in ihrer eigenen Ausbildung Sexismus und Ausgrenzung widerfahren ist. Am Ende des Artikels rief Elke Mascha Blankenburg zu Solidarität auf. Dieser Aufsatz ging wie ein Lauffeuer durch die Bundesrepublik und darüber hinaus.

Kurze Zeit später versammelten sich Musikerinnen und Komponistinnen aus aller Welt, um sich in einem Arbeitskreis zu vereinen. Den Aufruf Blankenburgs, „Kompositionen von Frauen auszugraben und aufzuführen“, setzten sie und die Mitglieder des 1979 gegründeten Internationalen Arbeitskreises Frau und Musik bald in die Tat um. Gründungsmitglieder waren u. a. Elke Mascha Blankenburg, Siegrid Ernst und Barbara Heller.

Bis Oktober 1979 fanden vier Arbeitskreistagungen statt, die Mitgliederzahl erhöhte sich sprunghaft auf über 100. Den Vorstand der ersten Stunde bildeten Elke Mascha Blankenburg als 1. Vorsitzende, Siegrid Ernst als 2. Vorsitzende und als 3. Vorsitzende Barbara Heller. Im Jahr 2009 feierte das Archiv Frau und Musik 30-jähriges Bestehen mit verschiedenen Jubiläumsveranstaltungen und einer großen Feier im Frankfurter Römer.

Was dann geschah…

Was anfangs als Privatinitiative begann, wuchs schnell zu einer bedeutenden Institution im Bereich Frau und Musik heran. Nach sieben Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit ermöglichte eine feste finanzielle Förderung den regelmäßigen und qualifizierten Einsatz von ständigen Mitarbeiter/innen. Außerdem zog das Archiv erstmals mit Hilfe der Stadt Kassel in eigene Räumlichkeiten. Nach drei weiteren Umzügen befindet sich das Archiv nun in den hoffmanns höfen in Frankfurt am Main, wo es nicht nur seinen festen Platz innerhalb einer hervorragenden Infrastrukur, sondern auch im Kulturleben der Mainmetropole gefunden hat. Mit Ende 2013 verlor das Archiv Frau und Musik die Förderung durch die Stadt Frankfurt aufgrund von Sparmaßnahmen. Seitdem befindet sich das Archiv Frau und Musik auf der Roten Liste bedrohter Kultureinrichtungen.

Jetztzeit

Das Archiv wird geleitet vom Vorstand des Internationalen Arbeitskreises Frau und Musik e. V. Der Vorstand bestand lange aus Renate Matthei (seit 1992–2011), Renate Brosch (1994–2012) und Dietburg Spohr (1994–2008, 2010–2011). Zwischen 2009 und 2012 setzte sich der Vorstand in leicht wechselnder Zusammensetzung zudem zusammen aus Angelika Seegers (2009–2012), ab 2010 auch aus Susanne Erding-Swiridoff, Prof. Violeta Dinescu, Dr. Silvia Merk, Dr. Vivienne Olive, Dr. Cornelia Preissinger und Dr. Julia Cloot. Seit 2013 bestand der Vorstand aus Mary Ellen Kitchens, Prof. Dr. Vivienne Olive und Dr. Vera Lasch, seit Oktober 2017 aus Mary Ellen Kitchens, Dr. Vera Lasch und Heike Matthiesen (erweiterter Vorstand: Dr. Vivienne Olive und Elisabeth Treydte).