Bedrohte Archivszukunft

Aufgrund von Sparmaßnahmen der einstigen Förderin (Stadt Frankfurt) ist das Archiv Frau und Musik existenziell bedroht. Aktuell befindet sich das in Deutschland einzige Archiv dieser Art, das den Ausgangspunkt der gesamten europäischen Frauenmusikgeschichtsforschung darstellt, auf der Roten Liste bedrohter Kultureinrichtungen (Stand seit 11/2015: gefährdet). Wir appellieren deshalb an dieser Stelle an Ihre Solidarität und Ihren Einsatz für den Erhalt des Archivs!

Wir danken an dieser Stelle allen unseren Unterstützer*innen, sei es durch die Online-Petition und für sonstigen Rat und die Tat. Wir sind auf Ihre Unterstützung angewiesen – wir freuen uns über jede Spende und/oder über Ihre Mitgliedschaft in unserem Trägerverein, dem Internationalen Arbeitskreis Frau und Musik e. V. Sie können helfen über

Sparkasse Frankfurt
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Archiv Frau und Musik
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Das Archiv – Internationale Forschungsstätte

Das Archiv Frau und Musik ist die weltweit bedeutendste Einrichtung zur Sammlung, Sicherung und Bekanntmachung von kreativen Leistungen musikschaffender Frauen vom 9. bis zum 21. Jahrhundert. Das Hauptanliegen besteht darin, den ganzen Reichtum des immer noch weitgehend verschütteten Anteils der Frauen an der Musikgeschichte einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die klassischen Tätigkeiten des Sammelns, Bewahrens und Systematisierens werden durch eine qualifizierte Beratung ergänzt. Des Weiteren findet eine Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Einrichtungen statt, die sich in allen Bereichen der Musik engagieren und auch mit Fragen der Genderforschung und des Gender Mainstreaming auseinandersetzen.

Das Archiv Frau und Musik ist eine Präsenzbibliothek, deren Bestände nur durch fachkundiges Archivpersonal gepflegt und bereitgestellt werden. Darüber hinaus initiiert es Forschungs-, Ausstellungs- und Aufführungsprojekte und vermittelt zwischen der theoretischen und praktischen Auseinandersetzung.

Das vom Archiv publizierte Magazin VivaVoce war bis zu seiner vorläufigen Einstellung mit Ende 2015 die weltweit einzige deutschsprachige Fachzeitschrift zum Thema Komponistinnen- und Interpretinnenforschung der E-Musik. Sie erreichte eine breite Leser*innenschaft, auch über nationale Grenzen hinaus und bot differenzierte Einblicke in musikwissenschaftliche Spezialbereiche. Das Archiv arbeitet seit Langem mit diversen Kooperationspartner*innen erfolgreich zusammen und trägt so wesentlich zur Umsetzung ihrer Anliegen in der musikalischen Ausbildung und Praxis bei.

Die Situation im Herbst 2013

In den letzten Jahren wurde unser Archiv zu annähernd gleichen Teilen vom Land Hessen und dem Kulturamt der Stadt Frankfurt finanziert. Im Juli 2013 hatte die Stadt Frankfurt jedoch angekündigt, ab 2014 das Archiv Frau und Musik nicht mehr finanziell zu unterstützen. Nach Klärungsgesprächen mit der Stadt Frankfurt und dem Land Hessen hatte zwar das Land zugesagt, das Archiv auch 2014 und 2015 mit seinem Anteil zu finanzieren, doch die Stadt Frankfurt blieb hart und drohte weiterhin mit der Streichung aller bisherigen Gelder.

Diese drohende Halbierung der Fördermittel brachte das Archiv Frau und Musik in akute, größte Schwierigkeiten.

Um auf sich und die Situation des Archivs aufmerksam zu machen, richtete das Archiv eine Online-Petition ein. Mit Hilfe von unzähligen Helfer*innen kamen so bis Mitte November 4.004 Unterschriften zusammen und reichten die Petition bei einer Sitzung des städtischen Kulturausschusses ein – leider erfolglos:

Eine Abordnung des Archivs Frau und Musik war bei der letzten Sitzung des städtischen Kulturausschusses vor Ort und übergab mit einer eindringlichen Rede von Dr. Vera Lasch die mehr als 4.000 über die Online-Petition eingesammelten Stimmen: Das Archiv habe sich vertraglich verpflichtet, die ihm anvertrauten Nach- und Vorlässe von Komponistinnen und anderen musikschaffenden Frauen pfleglich zu verwahren und zu erhalten. Sie plädierte darauf, dass die Stadt für die Übergangszeit hin zu anderen Finanzierungsmöglichkeiten die Verantwortung mit übernehmen müsse.

„Der Ausschuss debattierte ungewöhnlich lang und heftig über die Einsparungen im Kulturhaushalt. Über die konkreten, die von der SPD praktisch alle abgelehnt werden, und über die Gesamtsumme von mehr als 9 Millionen Euro, die Kulturdezernent Felix Semmelroth (CSU) einsparen soll, der sich allerdings nicht deutlich dazu äußerte“, wie die Frankfurter Allgemeine am 29. November schrieb. Letztendlich wurde das Gesuch um die Weiterfinanzierung von Seiten der Stadt Frankfurt abgelehnt. Die Finanzierung durch das Land Hessen ist aber für die Jahre 2014 und 2015 in bisher gehabtem Umfang vollstens gedeckt – damit ist eine Zerschlagung des Archivs abgewendet.

Deshalb benötigen wir dringend politische, finanzielle und öffentlich wirksame Unterstützung, damit die Zukunft des Archivs langfristig gesichert werden kann. Für neue Konzepte brauchen wir dringend Ihre Unterstützung. Haben Sie Fragen, Anregungen, Vorschläge, Hilfe oder Ideen für eine weitere Unterstützung? Bitte kontaktieren Sie uns!

Wenn das Archiv nicht mehr weiterarbeiten kann, verschwinden die kreativen Leistungen von Komponistinnen und Interpretinnen wieder in der Unsichtbarkeit – und unser aller jahrelange, erfolgreiche Arbeit wäre mit einem Schlag vernichtet.

Bis Ende 2014 arbeiteten im Archiv drei Mitarbeiterinnen auf jeweils einer halben Stelle, der Vorstand des IAK arbeitete bereits komplett ehrenamtlich. Mit dem Landeszuschuss ist es seitdem nur noch möglich, eine einzige halbe Stelle und einen Minijob zu finanzieren, womit der reguläre Betrieb aber nur schwer aufrechterhalten werden kann, da es eine Fülle von Rechercheanfragen gibt, die neben der Archivarbeit von einer einzelnen Halbtagskraft (20 h/Monat) nur schwer zu bewältigen ist. Zwar erhält das Archiv von der Stadt Frankfurt durch entsprechende Anträge auch Projektgelder – mit diesen Geldern darf dennoch nicht institutionell an der Basis gearbeitet werden.

Pressemeldungen/Blogs/Berichte/etc. zur finanziellen Streichung

„Erst fördern, dann wieder versenken“ (neue musikzeitung 11/2013, S. 12) | „Rettet das Frankfurter Archiv Frau und Musik!“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung, Blog, 12/2013) | „Ein Stück Frauenmusikgeschichte vor dem Aus“ (emma, 11/2013) | „Stadt streicht Förderung fürs Archiv Frau und Musik“ (Frankfurter Neue Presse, 12/2013) | „Archiv Frau und Musik – Dringend Unterstützung gesucht!“ (reingelesen, Blog, 10/2013) | „Zukunft des Archivs Frau und Musik bedroht!“ (Schweizer Musikzeitung, 10/2013) | „Bitte um Unterstützung: Petition des Archivs Frau und Musik“ (Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien an der Humboldt-Universität zu Berlin, Blog, 10/2013)

Stimmen unserer Unterstützerinnen und Unterstützer

„Werke, die von Frauen in vorausgegangenen Jahrhunderten in Literatur, bildender Kunst und Musik geschaffen wurden, stoßen nach wie vor auf weniger Aufmerksamkeit als Werke ihrer (natürlicherweise!?) männlichen Kollegen. Das Archiv ‚Frau und Musik‘ leistet einen wertvollen Beitrag nicht nur zur Forschung und ist eine Bereicherung für Frankfurt, aber auch auf bundesweiter, wenn nicht weltweiter Ebene. Heutzutage sind Thematiken wie Geschlechtergerechtigkeit von Bedeutung im öffentlichen Diskurs. Eine Einstellung der Förderungen des Archivs ist nicht zeitgemäß und vollkommen unverständlich!“ – Isabella Sontheim, Regensburg

„Dieses Archiv leistet einen wichtigen Beitrag zum kulturellen Gedächtnis unseres Landes und insbesondere auch zur Bedeutung der Frauen als wesentliche Kulturträger.“ – Prof. Dr. Johannes Hoyer, Memmingen

„Kultur ist essentiell wichtig für die Herzensbildung von Menschen. Dabei ist es wichtig, dass beide Aspekte einfließen – feminin und maskulin. Da Frauen in unserer Gesellschaft leider immer noch einen schwereren Stand haben, und auch aus der Vergangenheit noch einiges kompensiert werden muss, leisten Einrichtungen wie das Archiv für Musik und Frauen einen elementaren Beitrag dazu, die kulturelle Leistung von Frauen in unser Bewußtsein zu heben und Gewinn daraus zu ziehen.“ – Veronika Sax, Landsberg/Lech

„Das Archiv steht für die Erhaltung eines bedeutenden Kulturerbes. Es ist unfassbar, dass eine Petition für den weiteren Erhalt dieses Erbes überhaupt nötig ist.“ – Silvia Gäbel-Momber, Berlin

„Frauen stellen über die Hälfte der Bevölkerung. Kompositionen von Frauen werden aber kaum öffentlich aufgeführt, obwohl es Komponistinnen immer gegeben hat. Ich möchte gern bewirken, dass es mehr Konzerte mit Werken von Komponistinnen gibt. Dafür ist das Archiv Frau und Musik sicher unabdingbar.“ – Dagmar Birgit Ziegler, Tübingen

„Als Leiterin der Frauenakademie an der Ulmer Volkshochschule setze ich mich sehr dafür ein, dass sowohl Dozentinnen als auch Studierende weiterhin auf dieses Archiv und seine wichtige Forschungsarbeit zurückgreifen können. Das Fach Frau und Musik wird bei uns seit Jahren unterrichtet und erfreut sich großer Beliebtheit.“ – Gesa Krauss, Ulm

„Kultur von Frauen soll gefördert werden genauso wie die Kultur von Männern. Da dies weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart so ist, braucht es Einrichtungen wie diese. Unsere Erinnerung darf nicht zensiert werden.“ – Elke Amberg, München

„Die Werke von Frauen in unserer Geschichte wurden leider bislang fast durchgängig negiert oder vergessen, es gab keine Lobby für die Arbeiten herausragender Künstlerinnen. So fehlen heute unserem Frauenselbstbild und unserer Gesellschaft im Gesamten die Bilder und Biografien dieser großen beispielhaften Persönlichkeiten für unser Weibliches Bewusstsein. Wir müssen alles Erdenkliche tun, um die fehlenden Anteile unseres geschichtlichen Kulturwissens zu finden, zu erhalten, zu publizieren und somit in unser Bewusstsein aufzunehmen, wenn wir als Gesellschaft ganz werden wollen. Unsere Kultur wird/wurde nicht ausschließlich von den Werken großer Männer geschaffen sondern genauso von den Begabungen und Werken großer Frauenpersönlichkeiten. Bedauerlicherweise liegen diese Schätze zu einem großen Teil bislang im Schatten. Als moderne, demokratische Gesellschaft ist es nicht weiter zeitgemäß, die traditionelle Vorgehensweise: Nichtnennung, Ignoranz, Verleumdung, Aneignung durch männliche prominentere Namen,…fortzuführen. Es zeichnet unsere Gesellschaft als geistig entwickelt und menschenfreundlich aus, wenn wir zunehmend die weibliche Hälfte unserer Bevölkerung in all ihren historischen Leistungen würdigen.“ – Mechthild Auf Dem Berge, Bramsche

„In Zeiten wie diesen gilt es jedem Rückschritt in Sachen Geschlechterpolitik entgegenzutreten“ – Dr. Max Preglau, Innsbruck (Österreich)

„Als Dipl.-Bibliothekarin weiß ich, wie wichtig öffentlich zugängliche Quellen sind – vielen Menschen ist das nicht klar. Solche Archive sind unser Gedächtnis – kein Internet kann sie ersetzen. Und sie müssen gepflegt und benutzbar gemacht werden. Wenn hier so etwa Einmaliges existiert, wäre es eine Schande, es aufzugeben – allerdings könnte die Finanzierung vielleicht auf noch mehr Schultern verteilt werden, auch wenn es dann komplizierter wird. Eigentlich wäre es auch eine Sache für einen Bundeshaushalt. Hier zeigt sich wieder einmal der Nachteil der Kulturhoheit der Länder.“ – Marlene Hammann, Mainz

„Weil ich selbst in einem Chor und Orchester spiele, in dem wir immer wieder Komponistinnen zu Gehör bringen und es manchmal schwierig ist, an Noten- und Informationsmaterial zu kommen. Dazu ist das Archiv Frau und Musik eine sehr hilfreiche Anlaufstelle, die ich nicht missen möchte.“ – Sabine Albrecht, Berlin

„Als Initiatorin der Komponistinnen-Archive des Cid-femmes und des Frauenmusikförderprojektes EUTERPE, Cid-femmes in Luxemburg (seit 1992) weiss ich, welch wichtig Arbeit solche Archive für die Wahrnehmung der Leistungen von Frauen im kompositorischen Bereich leisten. Das Frankfurter Archiv hat darüberhinaus eine lange Tradition und hat sich mittlerweile weltweit einen Namen gemacht, eine Schließung wäre ein enormer Rückschritt.“ – Danielle Roster, Luxembourg (Luxembourg)

„This is a distinguished Archive, also well known outside Germany. I started to work as a Music librarian almost 30 years ago and the Archive has always been a valuable resource. The scope of the archive – Music and women is a part of our cultural heritage, which still is not properly documented. The staff of the Archive has a unique competence, which should be treasured.“ – Pia Shekhter, Gothenburg

„weil ich als Genderforscherin den Eindruck habe, alle Bestrebungen in dieser Hinsicht werden gerade wieder sehr eingeschränkt, es gibt einen backlash“ – Prof. Dr. Ute Gause, Bochum

„Das Archiv leistet wichtige Hilfe sowohl für die Musikwissenschaft als auch für die Kulturwissenschaften und insbesondere die allgemeine Musikvermittlung.“ – PD Dr. Corinna Herr, Bochum

„Die Kultur, ohne die das Leben bald veröden würde, lebt schon so knapp am Rande des Erhaltens, oft gespeist nur vom Enthusiasmus der Künstlerinnen und der Mitarbeiterinnen der Kulturinstitutionen. Kürzungen oder Streichungen der Finanzmittel wären eine Missachtung dieser beachtlichen jahrelangen Leistungen, würden Kahlschlag an der Emanzipation von Komponistinnen, Wissenschaftlerinnen und Interpretinnen bedeuten.“ – Viera Janarcekova (Komponistin), Homberg

„Geschichtliche Personen, Vorgänge und Abläufe in Kunst und Kultur, auch und insbesondere Frauen betreffend, sollten weiterhin dokumentiert, erforscht und zugänglich gemacht werden. Der ständige Versuch bei Kunst und Kultur zu „sparen“ ist sicher der falsche Weg… Diese Werte sind nicht in (beliebig vermehrbarem) Papiergeld zu messen…“ – Prof. Andreas Pistorius, Mannheim

„Frauenforschung wird in Deutschland noch immer marginalisiert. Wer in der Wissenschaft vorankommen will, distanziert sich davon. Das rächt sich im internationalen Wettbewerb, weil die wissenschaftliche Perspektive eingeschränkt wird. Außerdem trägt es zur weiteren Verfestigung des Ausschlusses von Frauen aus gesellschaftlich einflussreichen Positionen und Diskursen bei. In einer Stadt mit überwiegend rot-grüner WählerInnenschaft wirkt der hier stattfindende rollback besonders schockierend.“ – Sibylla Flügge, Frankfurt/Main

„Als Leiterin der Musikbibliothek im Bonner Schumannhaus schätze ich seit vielen Jahren das Archiv-Frau-und-Musik mit seiner Arbeit und seinen Publikationen sehr und finde, dass diese wertvolle Einrichtung auch weiterhin große Unterstüzung verdient.“ – Katrin Reinhold, Bonn

„Als Präsident des Deutschen Komponistenverbandes, Aufsichtsratsvorsitzender der GEMA und Präsidiumsmitglied des Deutschen Musikrates finde ich es unverantwortlich, wenn eine Gesellschaft – vertreten beispielsweise durch die Stadtväter Frankfurts – nur noch in Sport und andere publikumseffektiven Vergnügungen investiert, und Minderheiten der Hochkultur (wie es der Komponistenberuf an sich darstellt und umso mehr der der Komponistinnen) so unter den Tisch fallen läßt.“ – anonym, München

„Ich arbeite an einer Hochschule für Musik. Die Einbeziehung von Komponistinnen in den Unterricht/Konzertprogramme geschieht nur selten. Hinweise auf das Archiv Frau und Musik konnte in etlichen Fällen dazu führen, dass Werke von Komponistinnen einbezogen wurden.“ – Prof. Margit Reinhard-Hesedenz, Saarbrücken

Hier können Sie alle Kommentare in der Online-Petition als pdf (48 Seiten) herunterladen und/oder lesen.